Bauwesen


Der thermografische Einsatz erfolgt traditionell zum Nachweis von Dichtungs- und Dämmungsfehlern, die als Bauplanungs- und Ausführungsmängel auftreten können. Eingeleitete Sanierungsmaßnahmen verbessern den Wärmeschutz und führen somit zu Energieeinsparungen. Um seriöse Messungen an Gebäuden durchzuführen, sind jedoch generell Messungen aus dem Außen- und dem Innenbereich notwendig, da sehr viele thermische Schwachstellen nur aus dem Innenbereich lokalisiert werden können (s. hierzu auch Richtlinie Bauthermografie). Weiterhin muss bei einer Gebäudemessung eine Temperaturdifferenz von innen nach außen von mindestens 15 K [Kelvin] ohne Wind und Sonneneinstrahlung vorhanden sein (z.B. +5°C außen und 20°C innen), da nur da ein außreichender Wärmefluss gewährleistet ist, der dann auch nachgewiesen werden kann.
Bei den oft angebotenen "Thermografieaktionen" werden i.d.R. für wenig Geld in kurzer Zeit ganze Straßenzüge aus dem Außenbereich untersucht. Viele thermische Schwachstellen wie die Ursachen von Schimmelbildungen können jedoch nur aus dem Innenbereich erkannt werden. Der VATh sieht den größten Teil dieser Aktionen als sehr bedenklich an und kann daher nur davon abraten. Um ein Einfamilienhaus zu untersuchen benötigt man mindestens 2 Stunden. Der kleinste Teil der Aufnahmen werden dabei aus dem Außenbereich durchgeführt, da dies nur orientierende Messungen sein können. Oft werden die Termine für derartige Aktionen schon Monate im Vorfeld festgelegt ohne wissen zu können, was bei den Messungen dann für Wetter vorhanden ist. Es kommt dann nicht selten vor, dass die notwendigen physikalischen Vorausetzungen für thermografische Untersuchungen nicht gegeben sind und die "Messungen" aber trotzdem durchgeführt werden. Auch Infrarotaufnahmen aus der Luft, welche momentan angeboten werden, sagen bei hinterlüfteten Dächern oder glasierten Ziegeln überhaupt nichts aus! 
Weiterhin führen Luftundichtigkeiten ebenfalls zu hohen Heizkosten. Mittels Thermografie und Luftdichtheitsmessungen (auch als Blower Door Messung bezeichnet) werden Undichtigkeiten in der Gebäudehülle sicher gefunden (s. hierzu auch Bauflyer).

Infrarotbild eines Hauses mit starkem Pflanzenbewuchs. Hier geben nur Messungen aus dem Innenbereich Aufschluß über evtl. Wärmebrücken.

In der Denkmalpflege lässt sich unter Putz verborgene historische Bausubstanz in Form baugeschichtlich interessanter Massivbauteile und von Fachwerk thermografisch nachweisen.

Realbild und Infrarotbild lassen sich auch miteinander kombinieren

Kombiniertes Wärme- und Sichtbild, Gebäudefassade mit verborgenem Fachwerk

 

Haustechnik

Mit Hilfe der Thermografie können verdeckt liegende Heizungs- und Versorgungsleitungen lokalisiert und Rohrbrüche geortet werden. Es lassen sich Durchfeuchtungen nachweisen, die zu einer Gefährdung der Bausubstanz führen. Festlegung von Kernbohrungen in Böden mit Fußbodenheizung zur Einleitung von Trocknungsmaßnahmen stellt ein weiteres Anwendungsbeispiel dar.

Ortung der Fußbodenheizung in Vorbereitung von Kernlochbohrungen zur technischen Austrocknung

 

Energieversorgung durch Fernwärme

Bei Fernwärmeleitungen zur Versorgung der Haushalte mit Heizungsenergie und Betriebe mit Prozesswärme können durch thermografische Inspektion Mängel an der Außenisolierung aufgespürt werden (Energetische Diagnostik). Bei unterirdischem Leitungsverlauf werden Leckstellen erfolgreich lokalisiert.

Rohrbogen einer 100 bar Heissdampfleitung
Fehlerhafte Außenisolierung